Eine Kaiserschnitte packt aus: So war´s wirklich!

Aktualisiert: 18. Juni 2018


"Ach Lea das wird nicht schlimm, wirst sehen. Viel einfacher als eine normale Geburt."

Ab geht die Fahrt

Ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen.

Schön entspannt hab ich mich in den OP fahren lassen, hab noch Witze gemacht. PDA fand ich nicht schlimm. Ist ja ein richtig entspannter Spaziergang dieser Kaiserschnitt. Bisschen geruckelt hats, zack war der Pikk da."Gehts Ihnen gut?" "Ja, alles ok, ich hab nur furchtbar Hunger." Maaaaan hatte ich Hunger, abartig. "Jetzt machen wir Ihren Bauch noch zu, Frau W." "Yo, das wäre nett, danke."


Emotionen? Fehlanzeige

Wo ist eigentlich der Pikk? Keine Ahnung, irgendwo mit dem Papapikk. Tränen, Emotionen, als ich den Pikk das erste mal gesehen hat? Irgendwie war da nix. "Servus, bist ganz süss", hab ich mir gedacht. Dass er mein Baby war hat ich zu dem Zeitpunkt nicht realisiert. Trotzdem hat er ein Kuss bekommen.



Abwarten und Kekse futtern

2 Stunden im Aufwachraum Kekse futtern. Warten bis ich meine Beine wieder komplett gespürt habe. Puuh, evtl würde ich doch mal gerne sehen, wen Sie da aus mir herausgeholt haben. Irre war das in diesem Raum. Von "Yeah, ich hab mich noch nie so gut gefühlt, so chilllig alles." bis "Oh Gott, ich glaube ich muss sterben." habe ich dort alles gehört. Interessant war das.


Irgendwann wurde ich ins Zimmer zum Pikk und Papapikk geschoben. Jetzt hab ich ihn mir mal genauer angesehen. "Das ist jetzt also unser Kind, krass". Ich konnte es gar nicht glauben - selbst heute kann ich mich nur noch blass an genau diesen Moment erinnern. Es war so "Gib mal das Paket rüber, ich will sehen was drinnen ist." Ich hab jetzt keine Schaden davon getragen, aber es war wirklich seltsam.


Die Betäubung lässt nach

Mir ging es gut. Bis die Betäubung nachgelassen hat. Ich glaub ich dreh durch. Ibuprofen hab ich gefuttert wie Popcorn. Zum erstmaligen (geplanten) Aufstehen hab ich ne Extra-Ladung Schmerzmittel intravenös bekommen. Bin aber vor Belämmerung eingeschlafen und konnte am Samstag (OP war Freitag früh) nicht aufstehen. Sollte man angeblich können. Gut, ich eben nicht. War mir damals auch egal. Mein Bauch hat sich angefühlt wie ein nasser Sack Zement. Nicht zu mir gehörend. Fremd. Ich wollte ihn weghaben. Er war so schwer. Ich musste ihn halten. Mir war noch nie so bewusst wie sehr ich meine Bauchmuskeln brauche. Nicht mal das Aufrichten im Bett hat geklappt. Und mein Kreislauf war im Keller. Ich habe geschnauft wie ein Walross, bei allem!!! "Morgen müssen Sie aber aufstehen, wir müssen den Katheter entfernen, Infektionsgefahr". Ich fand das Teil recht praktisch. Im Bett liegen und nie auf Toilette müssen. War aber auch ne wirklich eklige Angelegenheit. Ihr wisst schon. Gut, der Sonntag ging vorbei und ich habs wieder nicht geschafft. Ich hab mich gefühlt wie ein Idiot.


Lets do it

Sonntag gg 23:30: Mann pennt, Kind pennt. Ich bin wach. Stinke, fühle mich ekelig und will sauber sein. Seit zwei Tagen keine Haare gewaschen. Horror. Klingeling, die Schwester gerufen. Unter Tränen habe ich ihr von meinem Leid erzählt. Sie so: "Ach kein Problem, wir schaffen das. Jetzt. Wenn Sie möchten." Okay....... mir fällt kurz vor Mitternacht ein, dass ich jetzt aufstehen möchte. Duschen wäre auch cool. Gesagt, getan. Unter Tränen und Schmerzen aufgestanden. 5 Minuten zum Bad gebraucht, geschnauft wie ein Walross und geduscht. Eher geduscht worden, denn selber bin ich nicht mal ansatzweise an die Stellen gekommen, die ich gerne geduscht hätte. So jetzt aber wieder ab ins Bett. "Schaaatz, ich habs geschafft zu duschen". Da kommt ein "Mhhh". Ich hätte Applaus gut gefunden :) Okay, so besonders ist das jetzt auch nicht. Aber ich war echt stolz. Die nächsten Tage wurden einfacher. Dienstag gings dann heim. Ich konnte jedoch nichtmal ansatzweise den Zwerg tragen. Aber dafür war ja Papa da. Ohne seine zwei Wochen Urlaub hätte ich das alles niemals geschafft. Ich hab mich so hilflos gefühlt.


Jetzt kann man überlegen, wär eine natürliche Geburt gegangen, oder nicht? Ich überlege aber nicht. Es war wie es war. Es war richtig. Aber es war weitaus heftiger als ich es je erwartet habe. Ich habe auch heute immer mal wieder Schmerzen/Juckreiz an der Narbe und taube Stellen unter meinem Nabel - aber dafür haben wir ein tolles Kind - und das waren die Schmerzen wert.


Warum eigentlich Kaiserschnitt?

Warum macht sie eigentlich einen Kaiserschnitt? Nunja, der kleine wurde auf 4,8 Kg geschätzt und da wurde es mir sozusagen empfohlen. Und ich bin auch wirklich dankbar dafür. Entschieden habe ich es am Ende selbst. Denn der Kopfumfang war bei 38 cm. Das ist echt nicht ohne. Kann man bestimmt machen. Wär aber nix für mich gewesen. Er war dann tatsächlich 4,3 Kilo schwer und 55 cm lang. Ich habe absolut alles richtig gemacht. Für mich. Das ist das wichtigste. Terminkaiserschnitten machen das Richtige für sich! Mit Feigheit hat das nichts zu tun. Das muss echt mal gesagt werden. Dass selbst dieser kein Spaziergang ist, wisst ihr ja jetzt.

  • Instagram - Grau Kreis
  • Facebook - Grau Kreis
  • Pinterest - Grau Kreis
This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now